Flugsicherungsbilder

34 Jahre habe ich bei der Flugsicherung als Ingenieur gearbeitet. Es war ein toller Job. Ich habe meine Arbeit mit sehr vielen Bildern festgehalten. Hier einige davon.

Bericht "34 Jahre Flugsicherung" =>


Roy Miller und ich im Aufenthaltsraum der Receiver-Site (Empfangsstelle) auf dem Flughafen Tempelhof, 1981

Roy Miller war einige Jahre mein Kollege in Tempelhof. Mit ihm baute ich privat meinen ersten Computer zusammen. Später entwickelten wir zusammen Software.


Anlagenumbau auf dem Döbraberg / Oberfranken, 1990


Ende 1990 begann die Modernisierung der Sende- und Empfangsanlage auf dem Döbraberg in Oberfranken. Die Berliner US-Airforce übernahm die Anlage von der US-Airforce Frankfurt. Geplant wurde der Umbau schon vor der Wende, danach ist die deutsche Geschichte darüber hinweg gerauscht. Die Station gibt es jedoch heute noch, nur die Amis haben nichts mehr damit zu tun. Die Kollegen von der Bundeswehr halfen uns die alte Anlage nach hinten zu rücken. Damit konnte die neue davor aufgebaut werden konnte, ohne den Betrieb zu unterbrechen. Fahrten zum  Döbraberg waren für mich immer wie Urlaub. Bernd Leupoldt in der Mitte und Rudi Neumann, mit der Armeejacke, rechts hinter ihm sind leider viel zu jung verstorben. So etwas schmerzt bei so vielen Fotografien.


Reinhard Peiker, mit von Fingerabdruckmittel geschwärzter Frontplatte. SE-Stelle Cölpin nach Einbruch, ca. 1991

 

Auch Einbrüche an unseren Außenstellen kamen leider vor. Glücklicherweise recht selten, in unserem Bereich nur zweimal. Wie hier in Cölpin / Neubrandenburg. Die schwarz-silbernen Empfänger unten links wurden aus dem Gestell gezogen und draußen auf die Wiese geworfen. Für alles andere brauchte man einen Schraubenzieher. Ein trinkender Clochard hatte sich in unserem Gebäude, von dem wir nur noch einen Raum nutzten, häuslich niedergelassen. Einen Schraubenzieher hatte er wohl nicht. Die Empfänger wurden von mir wieder ins Gestell geschoben, angeschlossen und schon lief das Werkel wieder. Den zweiten Vorfall gab es in Kolkwitz im Spreewald. Dort wurden zu Neujahr 1995 die Antennenkabel durchgehackt. Also reine Randale. Das Interessante bei den beiden Fällen ist, dass es sich um fast identische Gebäude handelte. Zwei Zweckbauten, für Radar und Funk der untergegangen Interflug. Cölpin wurde später aufgelassen, Kolkwitz in einem schönen Container erneuert und steht heute noch. Das "Unfallverhütungsbild", später in diesem Kapitel, ist während des Neubaus dort entstanden. Das alte Gebäude wurde Naturfreunden überlassen. Deshalb ist es dort nicht mehr ganz so einsam, im Wald. Außerdem verfügen die modernen Container über Alarmanlagen.

BARTCC, ca. 1992

 

Lotsen-Arbeitsplatz im BARTCC, ca. 1992


BARTCC am Ende, 9. November 1994


Die Sprachkommunikations-Anlage des BARTCC, Berlin Airoute Control Center war meine Großanlage, die ich vom 1. März 1977 bis zum 9. November 1994 maßgeblich am Laufen hielt. Anfangs war die Sprachkommunikations-Elektronik von Siemens gebaut, später war es eine amerikanische Anlage der Firma Denro. Erstere war wesentlich zuverlässiger, die Denro hat mir einige graue Haare beschert. Die Bilder sind von der amerikanischen Anlage. Das letzte Bild ist kurz nach der Inbetriebnahme der Berliner Regionalkontrolle entstanden. Gerade hatte ich die Denro mit Freude ausgeschaltet und kurz vorher eine fünfmal so große Anlage der Firma Frequentis mit in Betrieb genommen (19 statt 90 Lotsenarbeitsplätze). Das vorige Bild stimmt hier nicht in der zeitlichen Reihenfolge, passt aber besser in den Zusammenhang.


Für die US-Airforce habe ich von 1977 bis 1993 gearbeitet, weil die Flugsicherung in Westberlin in den Händen der Alliierten lag. Mit der Wende wurde klar, dass sich auch etwas mit meiner Arbeit ändern würde. Ich wurde aus der US-Airforce entlassen und unmittelbar durch die Bundesanstalt für Flugsicherung übernommen. Einfach war das jedoch nicht, was aber hier zu berichten zu weit führen würde. Auf dem Bild kann ich jedenfalls nach einiger Zeit der beruflichen Unsicherheit wieder lächeln.


Abschied von der US-Airforce, Colonel Lindner, Lt. Colonel Birkett und ich, 1. Oktober 1993, USAFE

Kontrolltisch in der Empfangsstelle Tempelhof, ca. 1993

 

Empfängerschrank in Tempelhof, ca. 1993

 

Sprachaufzeichnung in Tempelhof, ca. 1993

 

Diese 3 Bilder sind historisch. Die Empfangsstelle Tempelhof wurde im Rahmen des Neubaus der Regionalstelle Tempelhof erheblich erweitert, existiert aber heute nicht mehr. Die Receiversite (amerikanisch), Empfangsstelle (deutsch) hat die Schließung des Flughafens und der Regionalkontrolle in Tempelhof bis weit über meinen Ruhestand (2011) hinaus überlebt.


Werksabnahme unserer Sprachvermitllungsanlage bei Frequentis in Wien, 1993

 

Viele Reisen in Sachen Flugsicherung 1993/94 nach Wien und Frankfurt am Main, zu Projekt-Besprechungen, Werksabnahmen und Fortbildungen.


Unsere Doppelkabine in Pohnsdorf / Mecklenburg, 1994


Unsere von der US-Airforce übernommene VW-Doppelkabine in Pohnsdorf / Mecklenburg-Vorpommern. In der Nähe vom Hardberg, auf dem die Deutsche Flugsicherung eine Sende- Empfangsstelle betreibt. Der kleine Ort ist extrem heruntergekommen, keine blühende Landschaft. Bei uns hieß Pohnsdorf immer die Ponderosa.


Achim Behnke, Peter Brzezina, ich in der RK-Berlin, kurz vor der Eröffnung, 9.11.1994, Foto: DFS


9. November 1994, Eröffnung der neuen Regionalkontrolle in Berlin-Tempelhof. Eine der besten Phasen in meinem Berufsleben. Leider stand der Flugsicherungskontrolle in Berlin nur ein relativ kurzes Leben bevor. Sie war nur 12 Jahre in Betrieb. Danach war es vorbei mit der großen Flugsicherung in Berlin und das seit 1945. Verblieben sind nur noch die drei Verkehrsflughäfen und natürlich die Infrastruktur für die Deutsche Flugsicherung. Der Flughafen Tempelhof schloss 2008, was ich als sehr schmerzlich empfand. Immerhin habe ich 31 Jahre für ihn gearbeitet. Als ehemaliger Westberliner fehlt mir der Platz auch. Was noch kommen wird, weiß nur Politik und das BER-Management, oder auch nicht. Nun ja, mich trifft es nur noch als Fluggast und als Berliner Steuerzahler.

Für meinen Eintritt in den Ruhestand habe ich mit meinem Mehrarbeitsstundenkonto so gezirkelt, dass es genau der 9. November 2011 geworden ist. Der 9. November ist für mich ein besonderer Tag. Ich kenne 5 historische Ereignisse an diesem Tag, und 3 persönlicher Natur. Wer bietet mehr?


1848: Der 1848er Revolutionär Robert Blum wird in Wien erschossen. Nicht so toll.

1918: Phillipp Scheidemann und Karl Liebknecht rufen unabhängig die Republik aus.

1924: Der Marsch Hitlers auf die Feldherrenhalle in München. Auch nicht so toll.

1938: Die Judenpogrome der Deutschen (Reichskristallnacht). Auch nicht so toll.

1988: Mein früherer Chef hat mit dem Rauchen aufgehört.

1989: Die Wende. Das ich das noch erleben konnte.

1994: Wie schon beschrieben, Eröffnung der RK-Berlin.

2011: Eintritt in meinen Ruhestand, mit 60. Was kann schöner sein?


Sprachvermittlungsystem in Tempelhof, 1995


Das Sprachvermittlungssystem der Regionalkontrolle THF.  Es diente zum Telefonieren und zur Funkbedienung für die Fluglotsen. Dies ist die Technik, die im Hintergrund der Lotsen-arbeitsplätze auf dem vorhergehenden Bild werkelte. Die Sprachkommunikation war mein berufliches Hauptbetätigungsfeld. Sie ist nur ein Standbein der Flugsicherungs-Technik, auch Radar, Flugdaten-Verarbeitung und Navigation gehören dazu.


"Unfallverhütungsbild" im Rahmen meiner Ex-Arbeit, Kolkwitz am Spreewald, ca. 1996


Ich lege Wert darauf, dass das Bild nicht gestellt ist. Liebe Kollegen, ich hoffe ihr werdet mir dieses Bild verzeihen. Über die gewisse Lässigkeit dabei muss ich immer noch schmunzeln.


Das alte Gebäude der SE-Stelle Kolkwitz, ca. 1997

 

Ab jetzt sind die Bilder digital fotografiert, alle davor sind eingescannte Dias oder Fotos.

MIG 29, ILA in Schönefeld, 2003


Gottesanbeterin, ein leider technisch nicht einwandfreies Bild, Türkei, 2010


Die ILA war quasi Pflichtveranstaltung für uns Flugsicherer. Der Dienstausweis war unsere Eintrittskarte. Ich habe mein ganzes Berufsleben mit Soldaten zusammen gearbeitet, bin aber ein völlig unmilitärischer Mensch. Als gebürtiger Westberliner blieb mir sogar der Wehrdienst erspart. Was mich an diesem Bild reizt, ist die technische Eleganz des Totmachers. Ein bisschen die Faszination, die mich an eine Gottesanbeterin erinnert.


Mein langjäriger Kollege Lutz Carl (rechts) bei der Werksabnahme der übergangsmäßigen Sprachvermittlung für den Tempelhofer Tower, bei Schmidt Telekom in Zürich, 2005

 

Mein Arbeitsplatz, mein Kampfplatz für den Frieden, so hieß es wohl mal früher in der DDR, in Berlin-Tegel, 2007


Die letzten 5 Jahre meines Berufslebens war ich der Mann der DFS für die Sprachkommunikation in Berlin-Tegel. Ich bin dort angekommen, wie man an der Lenkertasche  in der Mitte sehen kann. Ja, auch nach Tegel bin ich überwiegend mit dem Fahrrad gefahren. Tempelhof war schöner und 8 km näher, aber eben geschlossen. Jedoch war ich meistens einmal pro Woche in Tempelhof, weil es dort noch die Sende/Empfangsstelle gab.


Trauriger Abschied vom Flughafen Tempelhof

 

Der Flugstreifen der letzten Maschine vom Flughafen Tempelhof, 30.10.2008


Die Schließung des Flughafens Tempelhof hat mich tief ins Herz getroffen. Berlin hat sich damit selbst entleibt. Bürgermeister Wowereit hat nicht nur dabei versagt.

Klaus im verlassenen Tower-THF, 2009, Foto: Bruce Christie


Blaue Stunde in TXL, 2010


Die morgendliche blaue Stunde auf dem Flughafen Tegel vom Tower aus gesehen. Bei dem Bild hapert es etwas mit der Qualität. Ich mag das Bild einfach, auch ist der Aufnahmestandort nicht alltäglich, deshalb habe ich es mit hereingenommen.


Erster Airbus A 380 in Tegel, 2010

 

Der erste Besuch eines Airbusses A 380 in TXL. An den Standort der Aufnahme kommen Normalsterbliche nicht hin. An der Quelle saß der Knabe.

Selbst meine Lieblingsvögel, die Krähen kamen zu meinem Abschied. Antennendach der Sendestelle THF.

 

Ich in der Empfangsstelle Tempelhof am 7.11.2011


Ich in der Sendesstelle Tempelhof am 7.11.2011 (keine Spitzenfotos, dafür stark dokumentarisch)

 

Das war's, mein allerletzter Logbucheintrag in der Sendestelle-THF, am 7.11.2011 um 14 UTC


Ja,  an meinem vorletzten  Tag im Berufsleben  arbeitete ich in Tempelhof,  wie es  sich gehört. Es war nicht konstruiert, sondern in der Jahresplanung so vorgesehen. Es gab wirklich etwas zu tun, den Test der unterbrechungsfreien Stromversorgungen in THF zu begleiten. Dabei wird die Station vom öffentlichen Stromnetz abgetrennt. Damit laufen die Anlagen dann auf Batteriebetrieb. Deshalb, falls dabei etwas schief gehen sollte, bin ich vor Ort gewesen. Für die Stromversorgung ist eine Vertragsfirma zuständig. Alles ist glatt gegangen, trotzdem Arbeit bis zum Schluss in Tempelhof, wo immer mein Herz schlug! Nach der Arbeit ging es dann unmittelbar zum Tempelhofer Biertempel, wo meine Abschiedsparty stattfand. Es waren nicht nur Kollegen dabei, sondern auch viele Leute, mit denen ich sonst so beruflich zu tun hatte. Es war ein rauschendes Fest.

Vielleicht noch etwas zum Kürzel "KG" im Logbuch. Dies war mein offizielles Namenskürzel in der Flugsicherung, schon seit amerikanischen Zeiten. "Kilo-Golf" war meine mündliche, rechtsverbindliche Signatur bei operativen Telefongesprächen. Nein, "operativ" war in der Flugsicherung etwas anderes, als bei der STASI. Darauf lege ich wert.


Klatsch und Tratsch mit Christian Krauss, ehemaliger Lehrer an der Flugsicherungs-Akademie in Langen

Geschenk vom Fluglotsen Bruce Christie, einem alten Ami, BARTCC, TWR THF und TWR TXL


Was hier nicht auf dem Bild, das jetzt bei mir im Flur hängt, zu erkennen ist: Die startende Maschine vor dem Tegler Tower, in der Mitte, trägt nicht etwa die originale Aufschrift Air Berlin, sondern Air Bubi. Air Bubi ist nicht pleite, Air Berlin leider doch. Wer es nicht weiß, Bubi war mein Spitzname auf der Arbeit. Dieser hat sich über die mehr als 34 Berufsjahre, eigentlich bis heute, erhalten. Am Anfang meiner Arbeit muss ich wohl noch anders ausgesehen haben.

Ein historisches Geschenk zu meinem Berufs-Abschied, 2011, Foto: Klaus-Michael Tettweiler

 

Dieses T-Shirt wird geschont. Ich trage es nur zu außergewöhnlichen Anlässen. Meine berufliche Abschiedsfeier in Tempelhof (wo sonst?) am 7. November 2011 war die zweite große Feier neben meinem Sechzigsten im selben Jahr. Am nächsten Tag hatte ich frei nach der aufwändigen Feier und am 9. November arbeitete ich nur noch meinen Laufzettel in Schönefeld ab.  Am schwersten fiel mir, die Schlüssel von Tempelhof abzugeben. Das war's dann wirklich. Als ich danach in der Regionalbahn nach Berlin saß, fiel alles von mir ab. Ich habe sehr gerne in der Flugsicherung gearbeitet, aber auch gerne aufgehört. Tegel war nicht mein Lieblingsstandort, Schönefeld noch schlechter. Nach Tempelhof wäre ich barfuß gelaufen. Es war genug! Allerdings träume ich noch immer regelmäßig, dass ich noch arbeite, mich aber schon ewig nicht mehr ins Zeitsystem eingebucht habe.

Jean-Michels Abschieds-Kunstwerk, 2011, Foto: Katja Joppich


Jahrelang habe ich neidisch auf Jean-Michels Kunstwerke für den Abschied von Kollegen geschaut. Am 7. November 2011 habe ich meins bekommen.

 

Singnalscheinwerfer, 2011


Dieser Signalscheinwerfer (Lightgun) hing 1977 noch im Tempelhofer Tower. Rudi Zerbe hat ihn mir zum Abschied geschenkt. Was für ein Geschenk! Er hängt jetzt in meinem Wohn- zimmer und leuchtet sogar in weiß, rot oder grün. Was für immer ein Geheimnis bleiben wird, ist wie der Interflieger Rudi an diese Lightgun gekommen ist. Das zweite Geheimnis ist, wohin 2008 die beiden Lightguns des Towers in Tempelhof verschwunden sind. Bruce Christie und ich hatten uns dafür angemeldet. Wir jedenfalls haben sie nicht. Als ich die von 1977, mein erstes Jahr in Tempelhof, in meinen Händen hielt, rollten bei mir die Tränen. Eigentlich noch besser als die Neuere. Ein schönes Erinnerungsstück!

Gerd Engels, Christian Schilling, Mai 2012


Planungskarte der Bachelor-Arbeit


Nachhall meines Berufslebens: Ich wurde ein halbes Jahr nach meinem Ausscheiden aus der Flugsicherung gefragt, ob ich die Betreuung einer Bachelor-Arbeit übernehmen würde. Natürlich habe ich mit Freude und Stolz zugesagt. Ähnliches habe ich immer gerne gemacht. Ich habe mir ein Thema ausgedacht, das mich mein gesamtes Berufsleben in Berlin verfolgt hat. Die Klärung der Gründe des von mir so bezeichneten "Magdeburger Lochs". Wir verloren den Funkkontakt zu den Luftfahrzeugen über Magdeburg, obwohl der Luftraum dort weit vor dem Funkhorizont lag. Hinter Magdeburg waren die Flugzeuge wieder erreichbar. Christian hat dieses Phänomen erklären können. Der Flugsicherung hat es letztendlich jedoch nichts genutzt. Wir haben, mit brutaler Gewalt, in der Nähe von Magdeburg eine zusätzliche Funkstelle (Gardelegen) gebaut. Damit war das Problem auch gelöst. Im Rahmen der Arbeit bin ich mit Christian auch beim Projektmanagement "Funk" in Langen gewesen. Dort ist auch das Bild entstanden. Es war interessant, dass ich dabei noch einmal von außen auf meine Firma schauen konnte. Christian hat seine Bachelor-Arbeit mit sehr gutem Ergebnis abgeschlossen. Er arbeitet heute, nach seinem Master-Abschluss, in meiner Ex-Firma. Das ist auch gut so.